
Quelle: Google Earth
|
Stille Post im Medienzirkus - was wirklich geschah
Ohne Friedensmal hätte es auch keine Straße des Friedens gegeben.
Die Stadt Bensheim hatte dem Ortsteil Hochstädten die einzige direkte Zugangsstraße für mehrer Monate wegen Baumaßnahmen gesperrt. Aus Kostengründen wurde keine Umgehungsstraße von der Stadt eingerichtet. Drei Hochstädter Bürger wollten eine Bürgerinitiative gründen, um die Straße selbst zu bauen. Ohne Genehmigung; die Straße wurde sofort benötigt.
Hierfür suchten sie einen eingetragenen Verein, der als juristische Person auch aus Haftungsgründen die Trägerschaft für einen Straßenbau übernehmen könnte.
Jeder eingetragene Verein hat eine Satzung, an die er sich halten muss. Es gibt nun wenig Vereine die satzungsgemäß Straßenbau betreiben. Solche Risiken, wie sie mit dem Vorhaben - ohne Genehmigung eine Straße zu bauen - verbunden wären, gehen Vereinsvorstände nur selten ein.
Zu dem Haftungsrisiko wäre auch noch ein erhebliches Finanzierungsrisiko und ein erheblicher Arbeitsaufwand als juristischer Vertragspartner hinzugekommmen.
Wir wollten das machen, da es endlich eine Chance war zu beweisen, dass die Idee vom Friedensmal auf dem Berg nicht abgehoben ist, sondern wenn sie gelebt wird, ein ganzes Dorf ergreifen und verändern kann. Genaugenommen machten wir also nicht den Vorschlag, eine Straße zu bauen, sondern den Gedanken vom Friedensmal über die Straße als Verbindung nach unten in den Alltag der Menschen zu bringen.
Unsere Satzung war daraus ausgelegt das Friedensmal zu bauen. Auch beim Straßenbau wäre sie gültig. Also würde aus der Straße ein Friedensdenkmal werden müssen... - der Rahmen für das Spiel war nun gegeben.
Der Vereinsvorstand ging dann auf die 3 Hochstädter Bürger zu und bot seine Trägerschaft an - wenn keine Straße gebaut, sondern die Straße zum Friedensprojekt entwickelt würde.
Nur wenige Tage später konnte so die Bürgerinitiative "Unsere-eigene-Umgehung" mit ca. 150 Hochstädter Bürgern gegründet werden.
So kam nun mein Verein, der bis dahin wertvolle Ideen entwickelte und danach ein Denkmal baut, mit einer echten Bürgerschaft in Berührung. Es gab ja Vorurteile gegenüber unseren
Aktivitäten oben auf dem Berg und die könnten mit der Straße überwunden werden.
Friedensmal? Wir haben doch keinen Krieg!
Muss es aber nicht zunächst um den Frieden im Kleinen - mit sich selbst und mit seinen Nachbarn - gehen? Da sieht es dann oft schon recht düster aus. Probleme mit dem Selbstwertgefühl, Scham- und Schuldgefühle,
unterdrückte Wut, Nachbarschaftsstreitereien... - die ganz normale deutsche Gesellschaft im Kleinen.
So nannte ich dann den Straßenbau: Aktion Dorffrieden - Frieden fängt im Kleinen an!
Im Dorf war wegen der Straßensperrung heftiger Unfriede.
Die Straße, die wieder neu verbindet, sollte zur friedensfördernden Maßnahme werden, die den Dorffrieden wiederherstellt und den gesellschaftlichen Dialog fördert.
So wurde es gemäß der Satzung des Friedensvereins formuliert.
In der öffentlichen Darstellung bauten wir also überhaupt keine Straße mehr, sondern eine
Befahrbare Ausstellung für den Frieden! Das Befahren dieser Straße sei Aktionskunst. Wir würden dann auch keine Maut, sondern ein Eintrittsgeld erheben!
So war nicht nur die Vereinssatzung erfüllt: Wenn wir ja nun gar keine Straße mehr bauen, dann brauchen wir auch keine Straßenbaugenehmigung!
Es war aber auch so, dass niemand wirklich versuchte die Behörden zu übertölpeln.
Die waren gegenüber einem solch positiven Bürgerengagement durchaus aufgeschlossen.
Aber da war eben auch noch die andere genauso wichtige Seite:
Das Friedensprojekt war hier nicht mehr der idealistische Wunsch nach einer besseren Welt, sondern brachte letztlich den Erfolg. Es wurde nämlich damit an den Anstand der Menschen appelliert und das mit einer guten Portion kreativem Humor - damit kam der Erfolg. Das zu erfahren hätte auch einen Wert, denn andere Menschen würden dadurch auch Erfolge erfahren; mit einem bloßen Trick aber eher nicht.
Dann kam hinzu, dass die Idee der Straße, die Menschen wieder verbindet und deshalb ein Friedensprojekt wäre, durchaus ernst gemeint war. Das Friedensprojekt für den Ort überzeugte auch erst die
Grundstückseigentümer, dass wir überhaupt ihr Grundstück für die befahrbare Ausstellung nutzen durfen. Mit dem bloßen Wunsch eine Umgehungsstraße zu bauen, hätte es nicht geklappt.
Wir haben hier - sozusagen durch Zufall - ein erfolgreiches Modell eines positiven Bürgerengagements entwickelt - das ist Friedensarbeit! - und solche Modelle für positives Bürgerenagement sind für die Zukunft in diesem Land wirklich notwendig. Wir gehen ganz sicher ernsteren Zeiten entgegen.
Wir lernten den positiven Aufbruch. Etwas, das dem ganzen Land guttun könnte. Auch das sollte weiter erzählt werden und nicht nur die schöne Geschichte vom Schildbürgerstreich. Die kreative Umsetzung unserer Idee im Ganzen - Bürgerinitiative und Verein, mal Spaß und auch viel Ernstes auf beiden Seiten - brachte einiges an Sympathie in der Öffentlichkeit, was dann auch zu dem großen Medieninteresse führte.
Noch ein wenig mehr Tiefe
Das wirklich besondere an der Straße des Friedens war, dass sich hier zwei Welten trafen: die Not und die Wut der Bürger und die Idee vom Friedensmal; also Welt und Geist. Das zusammen ergab diese kraftvolle Aktion. Die Initiatoren der Straße sprachen ganz am Anfang noch von der win/win-Situation. Oben und unten, Geist und Welt trafen in der Straße des Friedens zusammen - die Straße war die Verbindung - und das ergab den Erfolg.
Dieses Bild ist auch in der christlich-abendländischen Kultur verankert: Wenn sich Welt und Geist verbinden, dann ist Weihnachten.
Im Judentum steht der Davidstern für diese geistliche Wahrheit.
Und noch etwas war ganz besonders: wir schafften es gemeinsam! Zuerst die kleine Gruppe der Initiatoren und dann fast das ganze Dorf. Ohne diese Gemeinschaft wäre es nicht gelungen. Und diese Gemeinschaft hatte Spaß gemacht.
Die Straße des Friedens, ihr ganzes Potential wurde in der Medienberichterstattung nicht wirklich entdeckt. Wir hatten viele lustige Berichte. Das Ernste hätte auch eine Betrachtung verdient: es liegt Geist darin!
Erkennet das Heilige in eurer Mitte - steht auf der Schwelle des Friedensmals...
Leider wurde zu oft einfach drauflosberichtet, die Bilder und Töne zur vorher zurechtgelegten Story gesucht und alles auf die Zielgruppe abgestimmt, die man ansprechen wollte.
Doch diese Idee hatte viel Potential für die Gesellschaft und sie soll davon erfahren.
Es hätte gute Fragen gegeben: Warum heißt es Straße des Friedens? Warum heißt es Befahrbare Ausstellung: Aktion Dorffrieden - Frieden fängt im Kleinen an?
Mit der unten abgebildeten Plakette, die zum Befahren unserer Straße berechtigte, fuhren hunderte von Fahrzeugen durch Bensheim. Der Schriftzug ist deutlich zu lesen. Die Plakette wurde auch oft in den Fernsehberichten und Presseartikeln gezeigt - aber nie erklärt.
Bei einem großen Fernsehsender wurde der Bericht gekürzt, Eine Minute Frieden entfiel - passte wohl nicht ins Konzept - und mein Verein mutierte sogar vom Friedensverein zum Kunstverein.
Dass aber auch der ernste Frieden mit einigem Humor daherkommen kann und vielleicht sogar das Publikum mehr interessiert als eine substanzlose Spaßberichterstattung, konnten die Verantwortlichen nicht glauben.
Viele Hochstädter wissen um die wahren Hintergründe ihrer Straße des Friedens Bescheid. So oft wurde mir am Kassenhäuschen von Leuten gesagt, dass
sie sich deshalb engagieren, weil das Projekt soviel Geist! hätte. Auch ein Fernseh-, Radio- und Zeitungspublikum wäre sicherlich dankbar zu erfahren, dass das Geistvolle so unterhaltsam und abenteuerlich sein kann.
 | |
Plakette der befahrbaren Ausstellung
Die Plakette zum Befahren der Ausstellung zeigt das Friedensmal in Vogelperspektive. Die Straße des Friedens und das Friedensmal waren miteinander verwoben.
Der Schriftzug "Dorffrieden - Frieden fängt im Kleinen an" hat folgende Geschichte: Zunächst war das Friedensmal für Berlin geplant.
Die Erfahrungen mit der großen Politik legten dem Autor nahe, dass der Frieden
im Kleinen anfängt und auch ein Friedensmal nur im Aufgreifen dieser Erkenntnis ernstzunehmen sei.
Erfahrbar sollte das im Projekt der befahrbaren Ausstellung werden. Die Straße, die Menschen verbindet, sollte zur Friedensaktion werden. Das Befahren der Straße war so mehr als eine Bewegung im Automobil - sie war Aktionskunst.
|
|