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Über den Paradigmenwechsel

Das Friedensmal beschreibt nicht die Illusion einer guten, friedlichen Welt. Das Leben mit seiner Bewegung entwickelt sich aus dem Ringen verschiedener Kräfte. Und doch gibt es einen inneren Punkt des Friedens tief in der menschlichen Seele, den es in den eigenen Prozessen, die man durchlebt, zu finden gilt. Das ist ein religiöser Aspekt. Hat man diesen Punkt gefunden, wird man sich dennoch wieder in die Welt, die immer noch ihre Probleme bereithält, begeben. Ja, man kann Frieden stiften - wozu das Friedensmal aufruft - aber nicht mit schönen Worten, sondern im gerechten Handeln. Es geht darum, der Realität ehrlich und gerecht zu begegnen und nicht in den Prozessen, die das Leben ja ausmachen, stecken zu bleiben.

Der Ablauf eines solchen Prozesses wird in der Dialektik beschrieben: Thema - Auseinandersetzung - Integration. Der Stufe der Auseinandersetzung kann das Mahnmal, aber auch ein Kriegsdenkmal zugeordnet werden. Der Stufe der Integration wäre das Friedensmal zugeordnet. Als ich 1998 mein Buch zu dem Thema schrieb fiel mir auf, dass diese letzte Stufe im Gedenken fehlte, dass also unser ganzes Land in seiner in Denkmälern beschriebenen Vergangenheitsbewältigung steckengeblieben war und Mahnen und das Mahngedenken immer mehr zum Selbstzweck wurde. Die Überleitung in die Integration fehlte. Im Negativen steckenzubleiben tut niemandem gut, auch ein Land kann dies nicht vertragen.

Bereits im Jahr 1999 versuchte ich die ersten Ideen, die das Projekt ausmachen, zu verbreiten. Tatsächlich fand ich die Bundestagsabgeordnete Widmann-Mauz, die im Rahmen der Mahnmaldebatte auf meinen neuen Ansatz mit einem Antrag im Bundestag einging. Doch keine einflussreiche Zeitung berichtete darüber. Ich rief damals den zuständigen Redakteur einer der größten deutschen Tageszeitungen an und fragte, warum sie über dieses wichtige Thema nicht berichten würden. Die Antwort: "Wir können darüber nicht berichten, weil Sie ja ein völlig neue Perspektive bringen. So kann aber die Debatte nicht beendet werden". Ich habe im Rahmen meiner Arbeit viele ähnliche Aktionen mit dem immer gleichem Ausgang erlebt.

Ich glaubte mit der Gestaltung dieses Friedensmals die Blockade lösen und mit Hilfe der Kunst in die Integration überleiten zu können. Die eigentliche Arbeit bestand jedoch darin, sich mit dieser Idee verständlich zu machen. Denn was noch nicht in Bildern im Denken verankert ist, kann nur schwer verstanden werden. Selten wird begriffen, dass Projekte wie diese in ihrer erneuernden Wirkung eine kulturelle Notwendigkeit sind. Vergeht unsere Kultur, so zerbricht auch unsere auf bestimmte Werte gegründete Gesellschaft. Die Folgen sind schwerwiegend.

Beim Projekt des Friedensmals geht es nicht "nur" um den Bau eines Denkmals. Es geht um eine Geisteshaltung, die sich in dem Konzept vom Friedensmal ausdrückt und die es zu etablieren gilt, zeigt sich doch in ihr, dass im Negativen auch wieder der Same des Positiven verborgen liegt. Unser ganzes Land wird besonders in der nächsten Zeit diese Hoffnung brauchen.

Mit drei verschiedenen Weisen des Gedenkens an eine schmerzvolle Vergangenheit können auch drei Wege bezeichnet werden, mit der Wirklichkeit umzugehen: Schlußstrich, Mahnmal und Friedensmal. Beim Friedensmal geht es darum, auch das Negative an sich herankommen zu lassen in dem Wissen, dass es mit der eigenen positiven Art zu denken und zu handeln gewandelt wird. Die Wege von "Schlußstrich" und Mahnmal sind in unserer Kultur bekannt und werden gelebt. Der "Schlußstrich" steht für die Geisteshaltung der Ignoranz, die - wenn sie weite Bevölkerungsteile erfasst hat - jede Kultur untergräbt. "Mahnmal" steht für die Geisteshaltung, im Negativen festzusitzen - das nimmt Leben. Zu mahnen ist nicht falsch, es darf aber kein Selbstzweck sein, sondern ist ein wichtiger Zwischenschritt eines dialektischen Prozesses, der mit der Integration des Themas in einen eigenen inneren Frieden mündet und damit auch in der Außenwelt echten Frieden schafft. Das sollte eigentlich Grund genug sein, sich mit dem Weg, der durchs Friedensmal bezeichnet wird, zu beschäftigen.


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